Datenschutz als Wettbewerbsvorteil nutzen

Wir leben in einer zunehmend digitalisierten Welt, in der sowohl private (soziale Netzwerke) als auch geschäftliche Belange (unternehmensinterne Vorgänge, Internetpräsenz eines Unternehmens), aber auch beides vereinheitlicht wie z.B. das Online-Shopping, über den Austausch von Daten stattfindet. Und das alles kann nebenbei dank mobiler Gerätschaften erledigt werden. Dabei werden auch hochsensible und private Daten freigegeben und können bei falschem Umgang in nicht vorgesehene Hände gelangen. Aufgrund vergangener Datenskandale ist das Vertrauen der Mitbürger daher in die Datensicherheit und den Datenschutz von Unternehmen gesunken. Sie beäugen die Freigabe persönlicher Daten, z.B. bei Registrierungsvorgängen, eher mit Skepsis und sind dadurch weniger bereit diese preiszugeben.

Datenschutz als Grundrecht

Bundesjustiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas machte bei einer Fachtagung des Berufsverbands der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD) unmissverständlich klar, dass der Datenschutz eine der größten politischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sei: „Es geht hier um Grundwerte unseres freiheitlichen Zusammenlebens: Die Würde des Menschen, das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung – all dies darf nicht zur Disposition stehen.“ (Kuntz ZD-Aktuell 2014,04092).

Datenschutz vs. Big Data im Unternehmen?

Der Schutz persönlicher Daten einzelner steht dabei nicht im Konflikt der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Im Gegenteil kann Datenschutz und Datensicherheit zum Wettbewerbsvorteil genutzt werden, so auch Maas. Die Devise heißt Vertrauen schaffen. Denn nur so lässt es sich vermeiden, dass Kunden weglaufen bzw. korrekte Daten angeben. Unternehmen müssen über den Tellerrand schauen und sich diesem Gebiet verstärkt und ernsthaft widmen und das Thema zur Chefsache (Chief Data Officer) erklären.

Wie kann Datenschutz als Wettbewerbsvorteil genutzt werden?

Wichtig ist, dass und wie es beim Kunden ankommt. Dabei genügt es nicht, sich lediglich auf die Einhaltung der DSGVO zu beziehen, sondern es muss ein interaktives Miteinander zwischen Unternehmen und Kunden über den Umgang mit dessen Daten stattfinden.

Empfohlene Handlung

Dem Kunden sollte der Mehrwert, den er bei Überlassung seiner Daten hat, vermittelt werden. Kundenerlebnis (Customer Experience) lautet das Stichwort. Dafür muss er in den Prozess der Datenverwendung miteinbezogen werden. Er muss über seine Daten klar bestimmen können, also der Kunde hat die Wahl über die Art und das Ob der Datenverwendung. Vor diesem Hintergrund ist es empfehlenswert nach folgenden Schritten zu verfahren:

  • Einfache und verständliche Erklärung von Geschäftsbedingungen und rechtlichen Texten.
  • Höchste Transparenz durch direkte Hinweise, z.B. durch Pop-Up-Fenster, über die einzelnen rechtlichen Schritte und Konsequenzen wie beispielsweise, dass der Kunde sich vertraglich verpflichtet, wenn er diesen Schritt durchführt.
  • Die Situation zunächst selbst durchspielen für den Fall, man bittet einen Fremden auf der Straße um private Daten. Dabei folgende Fragen im Interesse des Nutzers beantworten:
    • Warum sollte ich dir meine Daten geben?
    • Was habe ich davon?
  • Empathie wahren: Jeder möchte wissen, wann und für was er sich zu etwas verpflichtet.
  • Investition in sichere Informationstechnologie zur Gewährleistung eines hohen aktuellen Standards für Datensicherheit und Datenschutz.
  • Image und Werte: So wie Menschen ihre Mitmenschen nach bestimmten Werten und Prinzipien beurteilen, so gehen auch Kunden bei der Bewertung von Marken und Unternehmen vor. Daher sollten Unternehmen nach den gleichen Grundsätzen verfahren und authentisch, freundlich, aber auch bestimmt (d.h. eindeutig, klar, verständlich) erklären, dass die Daten für bestimmte Zwecke benötigt werden.
  • Vorteile (Mehrwert) für den Kunden bei Überlassung seiner Daten aufzeigen, wie z.B. Amazon, der seine Kunden bei anonymisierter Datenüberlassung mit Apps und Spielen belohnt

 

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie gerne: RA Nicole Schmidt, LL.M.
Leistung: Beratung Datenschutzrecht

 

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